Nach Klage gegen Apple: Amazon lachender Dritte

Vangelis

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Die Ankündigung einer Klage gegen Apple und fünf Verlagshäuser wegen Preisabsprachen bei E-Books (pressetext berichtete: US-Justizministerium droht Apple und Verlagen ) durch das US-Justizministerium hilft vor allem dem Marktführer Amazon. Die Marktmacht des Online-Buchhändlers wird durch die Zerschlagung des Apple-Bündnisses gestärkt, sodass Amazon die Preise in den USA künftig praktisch willkürlich festsetzen kann. Drei der angeklagten Verlage haben bereits einem Vergleich zugestimmt. Analysten erwarten, dass auch Apple keinen Prozess riskieren wird.

"Große Kunden haben immer die Preise diktiert, vor allem in den USA, wo die Preisgestaltung frei ist. Das ist der Lauf der Geschichte. In Österreich schläft das Geschäft mit E-Books und -Readern gerade etwas ein, da die Anfangseuphorie verflogen ist. Außerdem ist der Buchpreis hier gesetzlich geregelt. Viele Verlage machen 40 Prozent ihres Geschäftes mit Amazon", sagt Michael Kernstock, Obmann des Fachverbands für Buch- und Medienwirtschaft der Österreichischen Wirtschaftskammer WKO.at - Das Portal der Wirtschaftskammern , im Gespräch mit pressetext. Die US-Preisduelle betreffen Europa also nicht unmittelbar.

Preissenkung angekündigt

Amazon hat bereits auf die Klage-Ankündigung reagiert und eine Preissenkung angekündigt. Einige E-Book-Titel könnten fast 30 Prozent billiger werden, mit Preisen von 9,90 Dollar statt 14,99 Dollar. Kurzfristig werden die Konsumenten also von der Apple-Klage profitieren. Amazons Marktmacht, die zu einem guten Teil auf der US-Dominanz des Lesegerätes Kindle basiert, könnte sich längerfristig jedoch negativ auf den Buchmarkt auswirken. Der Internet-Riese kann es sich leisten, E-Books zu Preisen anzubieten, die einen Verlust für das Unternehmen bedeuten.

Schon jetzt kontrolliert Amazon 60 Prozent des US-E-Book-Markts. Steigt die Marktmacht durch Unterbieten der Konkurrenz-Angebote weiter, kann Amazon dem Markt schlussendlich seine eigenen Bedingungen aufdrücken. Apple hat den Verlegern mit seinem Vertriebsmodell kurzfristig einen Phyrrus-Ausweg aus dieser Situation geboten, indem es den Verlegern gegen Provision erlaubte, die Preise für E-Books festzulegen. Die Preise stiegen deshalb kurzfristig wieder an. Das US-Justizministerium sieht das als Preisabsprache, die den Konsumenten 100 Mio. Dollar gekostet hat.

Vergleich wahrscheinlich

Apple wird sich wahrscheinlich fügen und einen Vergleich anstreben, wie ein Forbes-Analyst vermutet. Wahrscheinlich wird es so überhaupt nicht zu einem Prozess kommen. Die Angeklagten werden viele Mio. Dollar überweisen, damit Gras über die Sache wächst. Amazon ist der lachende Dritte. Verlage und Buchhändler werden als erste unter der monopolähnlichen Position des Händlers leiden. Schon jetzt droht Amazon Verlagen, die den Bedingungen nicht zustimmen, mit Ausschluss (pressetext berichtete: Amazon erpresst unabhängige Verleger ).

US-Buchhändler fürchten, dass die Preisdifferenz zwischen E-Books und klassischen Büchern so groß wird, dass sie den ohnehin kargen Rest ihres Geschäftes verlieren. Sorge gibt es außerdem um die Verlagsinfrastruktur. Marketing, Korrekturen und andere traditionelle Verlagsaufgaben werden sich in einem von Apple bestimmten Preisgefüge kaum allein mit dem Verkauf von E-Books finanzieren lassen.

(Quelle)
 
#3
Ich glaube die E-Books werden die herkömmlichen Bücher genausowenig verdrängen wie seinerzeit der Computer das Papier aus den Büros. Das ist alles nur Panikmache genau wie damals, als manche den Untergang der Papier- und Holzindustrie aufgrund der wachsenden Anzahl von Computern in Büros verkündeten...

Das sich ein derartig erfolgreicher Konzern wie Apple zu Preisabsprachen herablässt, zeigt nur, wie gierig solche Firmen doch sind. Und das gibt genausoviel Anlass zur Sorge, wie die wachsende Monopolstellung Amazons - der ehrliche Endverbraucher kann da nur verlieren...
 
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