Haben Sie versehentlich wichtige Dateien gelöscht – und der Papierkorb ist schon leer? Dann hilft Windows File Recovery. Das kostenlose Microsoft-Tool stellt gelöschte Dateien von Festplatten, SSDs, USB-Sticks und SD-Karten wieder her. Es funktioniert unter Windows 10 (ab Version 2004) und Windows 11.
In dieser Anleitung zeige ich Ihnen Schritt für Schritt, wie Sie das Kommandozeilen-Tool richtig einsetzen – mit konkreten Befehlsbeispielen für Fotos, Dokumente und Videos. Außerdem erfahren Sie, was zu tun ist, wenn der Scan nichts findet, welche typischen Fehlermeldungen auftreten und welche Alternativen es gibt.
Wichtig: Je schneller Sie handeln, desto besser. Speichern Sie ab sofort nichts mehr auf dem betroffenen Laufwerk – jede neue Datei kann Ihre gelöschten Daten unwiederbringlich überschreiben.
Was ist Windows File Recovery?
Windows File Recovery (Befehl: winfr) ist ein offizielles, kostenloses Kommandozeilen-Tool von Microsoft. Es wurde speziell entwickelt, um gelöschte Dateien von lokalen Speichermedien wiederherzustellen – selbst dann, wenn der Papierkorb bereits geleert wurde oder ein Laufwerk formatiert wurde.
Unterstützte Dateisysteme und Speichermedien
Das Tool arbeitet mit allen gängigen Windows-Dateisystemen: NTFS (Standard bei Windows-Systemen), FAT und FAT32 (häufig bei älteren Laufwerken und USB-Sticks), exFAT (moderne USB-Sticks und SD-Karten) sowie ReFS(Resilient File System für Server-Umgebungen).
Kompatibel ist es mit internen Festplatten (HDD), Solid State Drives (SSD), externen USB-Festplatten, USB-Sticks, Speicherkarten (SD, microSD) und anderen Wechselmedien. Eine Wiederherstellung aus Cloud-Speicher oder Netzwerkfreigaben wird allerdings nicht unterstützt.
Systemvoraussetzungen
Bevor Sie starten, prüfen Sie diese Anforderungen:
- Windows 10 (Version 2004 / Mai 2020 Update oder neuer) oder Windows 11
- Administratorrechte auf Ihrem Computer
- Ein separates Laufwerk als Ziel für die wiederhergestellten Dateien (Pflicht!)
Wichtiger Hinweis: Quell- und Ziellaufwerk müssen zwingend unterschiedlich sein. Das Wiederherstellen auf demselben Laufwerk würde die gelöschten Daten überschreiben und die Rettung gefährden.
Welche Dateitypen lassen sich wiederherstellen?
Windows File Recovery erkennt praktisch alle gängigen Dateiformate. Dazu gehören Office-Dokumente (.docx, .xlsx, .pptx), PDF-Dateien, Textdateien (.txt, .rtf), Bilder (.jpg, .png, .gif, .bmp, .tiff, .raw), Videos (.mp4, .avi, .mov, .mkv, .wmv), Audiodateien (.mp3, .wav, .flac), Archive (.zip, .rar, .7z), Outlook-Datendateien (.pst, .ost) und Disk-Images (.iso).
Gelöschte Dateien ohne Software wiederherstellen
Bevor Sie zu Windows File Recovery greifen, lohnt sich ein Blick auf die eingebauten Windows-Bordmittel. In vielen Fällen lassen sich gelöschte Dateien ohne zusätzliche Software zurückholen.
Methode 1: Papierkorb überprüfen
Der naheliegendste Schritt: Öffnen Sie den Windows-Papierkorb auf dem Desktop. Dateien, die Sie regulär gelöscht haben (ohne Shift+Entf), landen zunächst hier. Klicken Sie mit der rechten Maustaste auf die gewünschte Datei und wählen Sie „Wiederherstellen„. Die Datei wird an ihrem ursprünglichen Speicherort wiederhergestellt.
Methode 2: Dateiversionsverlauf nutzen
Falls Sie den Windows-Dateiversionsverlauf aktiviert haben, können Sie frühere Versionen von Dateien und Ordnern zurückholen. Navigieren Sie im Explorer zum betroffenen Ordner, klicken Sie mit der rechten Maustaste darauf und wählen Sie „Vorherige Versionen wiederherstellen„. Wählen Sie die gewünschte Version aus der Liste und klicken Sie auf „Wiederherstellen“.
Methode 3: OneDrive-Papierkorb prüfen
Wenn Sie Microsoft OneDrive nutzen und der betroffene Ordner synchronisiert war, prüfen Sie den OneDrive-Papierkorb über onedrive.com. Gelöschte Dateien werden dort bis zu 30 Tage aufbewahrt und lassen sich mit einem Klick wiederherstellen.
Methode 4: Schattenkopien über die Eingabeaufforderung
Windows erstellt über den Volumeschattenkopie-Dienst (VSS) automatisch Sicherungspunkte. Öffnen Sie die Eingabeaufforderung als Administrator und geben Sie ein:
vssadmin list shadows
Werden Schattenkopien angezeigt, können Sie über „Vorherige Versionen“ im Datei-Explorer auf diese zugreifen.
Wenn keine dieser Methoden funktioniert, ist Windows File Recovery der nächste Schritt.
Schnellanleitung: In 5 Schritten Dateien retten
Für alle, die sofort loslegen wollen – hier die Kurzversion:
Schritt 1: Öffnen Sie den Microsoft Store und installieren Sie „Windows File Recovery“ (kostenlos).
Schritt 2: Drücken Sie Windows + X und wählen Sie „Windows Terminal (Administrator)“ oder „Eingabeaufforderung (Administrator)„. Alternativ funktioniert auch PowerShell (Administrator). Bestätigen Sie die Benutzerkontensteuerung mit „Ja“.
Schritt 3: Geben Sie den Wiederherstellungsbefehl ein, zum Beispiel:
winfr C: D: /regular /n *.jpg
Dabei ist C: das Quell-Laufwerk (wo die Datei gelöscht wurde) und D: das Ziel-Laufwerk (wo die Rettung gespeichert wird).
Schritt 4: Bestätigen Sie die Abfrage „Proceed? (Y/N)“ mit Y und warten Sie, bis der Scan abgeschlossen ist.
Schritt 5: Öffnen Sie den automatisch erstellten Ordner D:\Recovery_[Datum und Uhrzeit] und prüfen Sie die wiederhergestellten Dateien.
Falls der Scan nichts findet, ersetzen Sie /regular durch /extensive für einen Tiefenscan:
winfr C: D: /extensive /n *.jpg
Im Folgenden erkläre ich jeden Schritt ausführlich mit weiteren Beispielen.
Windows File Recovery installieren
Download aus dem Microsoft Store
Öffnen Sie den Microsoft Store auf Ihrem Windows-PC und suchen Sie nach „Windows File Recovery„. Klicken Sie auf „Installieren“ – das Tool ist komplett kostenlos, es gibt keine versteckten Kosten oder Premium-Versionen. Alternativ können Sie den direkten Link zum Microsoft Store verwenden.

Nach der Installation finden Sie das Programm im Startmenü. Es öffnet sich automatisch als Kommandozeilen-Fenster. Sie können die Befehle aber auch in einem bereits geöffneten Windows Terminal, in PowerShell oder in der klassischen Eingabeaufforderung ausführen – solange Sie als Administrator arbeiten.
Eingabeaufforderung als Administrator öffnen
Drücken Sie Windows + X und wählen Sie „Windows Terminal (Administrator)“ oder „Eingabeaufforderung (Administrator)„. Je nach Windows-Version kann der Menüeintrag leicht variieren. Bestätigen Sie die Sicherheitsabfrage der Benutzerkontensteuerung mit „Ja“.
Tipp: Unter Windows 11 können Sie auch im Startmenü nach „cmd“ suchen, dann mit der rechten Maustaste auf „Eingabeaufforderung“ klicken und „Als Administrator ausführen“ wählen.
Die Wiederherstellungsmodi im Überblick
Windows File Recovery bietet verschiedene Scan-Modi, die je nach Situation unterschiedlich gut geeignet sind. Die Wahl des richtigen Modus ist entscheidend für den Erfolg der Datenrettung.
Regular-Modus (Standard)
Der Regular-Modus ist der schnellste Scan und eignet sich für kürzlich gelöschte Dateien auf NTFS-Laufwerken, wenn die Datenstruktur noch weitgehend intakt ist. Er analysiert die Master File Table (MFT) und findet Dateien, deren Einträge noch nicht überschrieben wurden.
winfr C: D: /regular /n *.docx
Ideal für: Versehentlich gelöschte Dateien, geleerten Papierkorb, wenn die Löschung wenige Stunden oder Tage zurückliegt.
Extensive-Modus (Tiefer Scan)
Der Extensive-Modus durchsucht das gesamte Laufwerk Sektor für Sektor und nutzt zusätzlich Dateisignaturen zur Erkennung. Er dauert deutlich länger, findet aber auch Dateien auf formatierten Laufwerken, bei beschädigten Dateisystemen und auf FAT/FAT32/exFAT-Datenträgern.
winfr E: D: /extensive /n *.docx
Ideal für: Formatierte Laufwerke, ältere Löschvorgänge, USB-Sticks und SD-Karten mit FAT/exFAT, wenn der Regular-Modus nichts findet.
Segment-Modus
Der Segment-Modus ist ein Mittelweg zwischen Regular und Extensive, speziell für NTFS-Laufwerke. Er analysiert Dateisegmente und ist nützlich bei teilweise beschädigten Datensätzen.
winfr C: D: /segment /n \Users\*\Documents\*
Ideal für: NTFS-Laufwerke mit teilweise beschädigter MFT als Alternative zum Regular-Modus.
Welchen Modus sollten Sie wählen?
| Situation | Empfohlener Modus | Dateisystem |
|---|---|---|
| Kürzlich gelöscht, Papierkorb geleert | Regular | NTFS |
| Laufwerk formatiert | Extensive | Alle |
| USB-Stick oder SD-Karte | Extensive | FAT/exFAT |
| Regular findet nichts | Extensive | NTFS |
| Teilweise beschädigte Festplatte | Segment oder Extensive | NTFS |
Faustregel: Starten Sie immer mit dem Regular-Modus. Findet er nichts, wechseln Sie zum Extensive-Modus.
Gelöschte Dateien wiederherstellen: Schritt-für-Schritt-Anleitung
Die grundlegende Befehlsstruktur
Jeder Wiederherstellungsbefehl folgt diesem Muster:
winfr Quell-Laufwerk: Ziel-Laufwerk: /Modus /Schalter
Dabei steht das Quell-Laufwerk für den Datenträger, auf dem die gelöschten Dateien lagen, und das Ziel-Laufwerk für den Speicherort, an dem die geretteten Dateien gesichert werden. Der Modus bestimmt die Scan-Tiefe und die Schalter filtern, welche Dateien gesucht werden.
Beispiel 1: Gelöschte Fotos wiederherstellen
Sie haben versehentlich Urlaubsfotos von Laufwerk C: gelöscht und möchten alle JPG- und PNG-Dateien auf Laufwerk D: wiederherstellen:
winfr C: D: /regular /n *.jpg /n *.png
Falls die Fotos von einer SD-Karte (Laufwerk F:) stammen, verwenden Sie den Extensive-Modus, da SD-Karten meist mit FAT32 oder exFAT formatiert sind:
winfr F: D: /extensive /n *.jpg /n *.png
Beispiel 2: Word-Dokumente und PDFs retten
Ein wichtiges Dokument wurde gelöscht? So holen Sie alle Word- und PDF-Dateien von Laufwerk C: zurück:
winfr C: D: /regular /n *.docx /n *.pdf
Wenn Sie den genauen Dateinamen kennen oder zumindest einen Teil davon, können Sie gezielter suchen:
winfr C: D: /extensive /n *Rechnung*
Dieser Befehl findet alle Dateien, deren Name „Rechnung“ enthält – egal welche Dateiendung.
Beispiel 3: Gelöschte Videos von formatiertem Laufwerk
Videodateien von einer formatierten externen Festplatte (Laufwerk E:) wiederherstellen:
winfr E: D: /extensive /n *.mp4 /n *.avi /n *.mov /n *.mkv
Bei formatierten Laufwerken ist der Extensive-Modus zwingend notwendig. Eine Schnellformatierung bietet dabei bessere Wiederherstellungschancen als eine vollständige Formatierung.
Beispiel 4: Kompletten Ordner wiederherstellen
Einen gelöschten Ordner mit allen darin enthaltenen Dateien und Unterordnern zurückholen:
winfr C: D: /extensive /n \Users\IhrName\Dokumente\Projekt\
Wichtig: Der umgekehrte Schrägstrich \ am Ende des Pfads ist erforderlich. Ohne ihn interpretiert Windows File Recovery den letzten Teil als Dateinamen.
Beispiel 5: Outlook-E-Mails wiederherstellen
Lokal gespeicherte Outlook-Datendateien (.pst und .ost) lassen sich ebenfalls retten:
winfr C: D: /extensive /n *.pst /n *.ost
Beispiel 6: Alle Dateien eines Benutzerprofils scannen
Wenn Sie nicht genau wissen, welche Dateien gelöscht wurden, können Sie das gesamte Benutzerprofil durchsuchen:
winfr C: D: /extensive /n \Users\IhrName\*
Dieser Befehl scannt den kompletten Benutzerordner einschließlich Dokumente, Bilder, Downloads und Desktop.
Wichtige Befehle und Filter für die Dateisuche
Befehlsreferenz
| Schalter | Bedeutung | Beispiel |
|---|---|---|
/n | Suche nach Dateiname oder Dateityp | /n *.xlsx |
/y: | Suche nach Datei-Signaturgruppen | /y:JPEG,PNG |
/k | Systemdateien einbeziehen | /k |
/u | Auch nicht gelöschte Dateien anzeigen | /u |
/segment | Segment-Modus aktivieren | /segment |
/signature | Signaturbasierte Suche | /signature |
Mehrere Dateitypen gleichzeitig suchen
Sie können beliebig viele /n-Filter kombinieren, um verschiedene Dateitypen in einem Scan zu erfassen:
winfr E: D: /regular /n *.jpg /n *.png /n *.gif /n *.bmp
Dateien mit Namensmustern finden
Wildcards (*) helfen bei der Suche nach Dateien mit bestimmten Namensbestandteilen:
winfr C: D: /extensive /n *2024* /n *Backup* /n *Projekt*
Wiederherstellung nach Änderungsdatum
Für Dateien, die nach einem bestimmten Zeitpunkt geändert wurden:
winfr C: D: /regular /n *.* /modified:2025-11-20
Systemdateien wiederherstellen
Um Systemdateien auf Laufwerk C: zu scannen, verwenden Sie den Schalter /k:
winfr C: D: /extensive /k /n \Windows\System32\*
Batch-Wiederherstellung automatisieren
Für wiederkehrende Rettungsaufgaben können Sie eine .bat-Datei erstellen:
@echo off
echo Starte Datenrettung...
winfr E: D: /extensive /n \Dokumente\*
winfr E: D: /extensive /n \Bilder\*
winfr E: D: /extensive /n \Videos\*
echo Fertig. Bitte Recovery-Ordner auf D: pruefen.
pause
Windows File Recovery funktioniert nicht? Häufige Fehler und Lösungen
Fehler: „Keine Dateien gefunden“
Das ist das häufigste Problem und hat meist eine einfache Ursache. Wechseln Sie vom Regular- zum Extensive-Modus, verwenden Sie weniger spezifische Filter (z.B. /n *.* statt /n *.jpg) und prüfen Sie, ob Sie das richtige Quell-Laufwerk angegeben haben. Stellen Sie außerdem sicher, dass seit dem Löschen möglichst wenige neue Daten auf das Laufwerk geschrieben wurden.
Fehler: „Es ist ein Fehler beim Analysieren Ihres Befehls aufgetreten“
Diese Fehlermeldung erscheint bei Syntaxfehlern im Befehl. Häufige Ursachen: Ein fehlender Doppelpunkt nach dem Laufwerksbuchstaben (richtig: C: nicht C), ein fehlender Schrägstrich vor dem Modus (richtig: /regular nicht regular) oder Leerzeichen an falscher Stelle. Prüfen Sie Ihren Befehl Zeichen für Zeichen gegen die Syntax: winfr C: D: /regular /n *.jpg.
Fehler: „winfr wird nicht als Befehl erkannt“
Windows File Recovery ist entweder nicht installiert oder die Eingabeaufforderung wurde nicht als Administratorgeöffnet. Installieren Sie das Tool erneut aus dem Microsoft Store und starten Sie CMD oder PowerShell explizit als Administrator.
Fehler: „Ziellaufwerk ist voll“ oder „konnte keinen Zielpfad erstellen“
Das Ziellaufwerk hat nicht genug freien Speicherplatz für die wiederhergestellten Dateien. Wählen Sie ein Laufwerk mit ausreichend Kapazität – idealerweise eine externe Festplatte mit mindestens so viel freiem Platz wie das Quell-Laufwerk groß ist. Prüfen Sie auch, ob Sie Schreibrechte auf dem Ziellaufwerk haben.
Fehler: „Zugriff verweigert“
Öffnen Sie die Eingabeaufforderung unbedingt als Administrator. Prüfen Sie zusätzlich, ob ein laufender Virenschutzden Zugriff blockiert – deaktivieren Sie ihn bei Bedarf temporär. Falls das Quell-Laufwerk mit BitLocker verschlüsselt ist, müssen Sie es zuerst mit dem Wiederherstellungsschlüssel entsperren.
Der Scan dauert extrem lange
Das ist bei großen Laufwerken im Extensive-Modus normal. Ein Tiefenscan auf einer 2-TB-Festplatte kann 10 bis 20 Stunden dauern. Schließen Sie möglichst alle anderen Programme und lassen Sie den Computer bei Bedarf über Nacht laufen. Mit Strg + C können Sie den Scan jederzeit abbrechen – bereits gefundene Dateien werden trotzdem im Recovery-Ordner gespeichert.
Wiederhergestellte Dateien sind beschädigt oder haben kryptische Namen
Bei umfangreichen Tiefenscans können Dateien umbenannt sein (z.B. file0001.jpg statt des Originalnamens). Das ist normal, wenn die Dateinamens-Einträge in der MFT bereits überschrieben wurden. Prüfen Sie den gesamten Recovery-Ordner sorgfältig. Beschädigte Dateien deuten darauf hin, dass Teile der Daten bereits mit neuen Informationen überschrieben wurden – in diesem Fall ist eine vollständige Wiederherstellung leider nicht mehr möglich.
HDD vs. SSD: Unterschiede bei der Datenrettung
Festplatten (HDD)
Auf klassischen Festplatten sind die Chancen einer Datenrettung grundsätzlich höher. Wenn eine Datei gelöscht wird, markiert Windows lediglich den Speicherplatz als „frei“ – die tatsächlichen Daten bleiben physisch auf der Magnetscheibe erhalten, bis sie durch neue Daten überschrieben werden. Solange das nicht passiert ist, kann Windows File Recovery die Daten rekonstruieren.
Solid State Drives (SSD)
Bei SSDs ist die Situation schwieriger. Der sogenannte TRIM-Befehl teilt der SSD mit, welche Datenblöcke nicht mehr benötigt werden. Die SSD löscht diese Blöcke dann im Hintergrund, um die Schreibgeschwindigkeit zu optimieren. Das bedeutet: Gelöschte Dateien können auf SSDs innerhalb weniger Minuten unwiederbringlich entfernt sein.
Tipps für SSD-Nutzer:
- Handeln Sie besonders schnell nach dem Löschen
- Der Extensive-Modus bietet auf SSDs die besten Chancen
- TRIM lässt sich theoretisch temporär deaktivieren (
fsutil behavior set DisableDeleteNotify 1), allerdings sollten Sie das nicht dauerhaft tun, da es die SSD-Performance und Lebensdauer beeinträchtigt - Prüfen Sie vorher mit
fsutil behavior query DisableDeleteNotifyden aktuellen Status
Faustregel: Auf HDDs haben Sie Stunden bis Tage Zeit für die Rettung. Auf SSDs sind es eher Minuten bis wenige Stunden.
Windows File Recovery Alternativen mit grafischer Oberfläche
Wenn Ihnen die Arbeit mit der Kommandozeile zu umständlich ist, gibt es grafische Alternativen, die das gleiche Ziel mit einer benutzerfreundlichen Oberfläche erreichen.
WinfrGUI
WinfrGUI ist eine kostenlose, quelloffene grafische Oberfläche für Windows File Recovery. Es nutzt im Hintergrund dasselbe winfr-Tool, bietet aber Dropdown-Menüs für Modi und Filter statt manueller Befehlseingabe. Verfügbar auf GitHub.
Recuva (Piriform)
Recuva ist ein etabliertes, kostenloses Wiederherstellungstool mit einer Wizard-gestützten Bedienung. Es bietet eine Vorschaufunktion, mit der Sie gelöschte Dateien vor der Wiederherstellung prüfen können. Die portable Version lässt sich direkt vom USB-Stick starten, ohne Installation auf dem betroffenen Laufwerk.
EaseUS Data Recovery Wizard
Der EaseUS Data Recovery Wizard bietet in der kostenlosen Version die Wiederherstellung von bis zu 2 GB Daten. Die intuitive Oberfläche und die Unterstützung für mehr als 1.000 Dateiformate machen ihn zu einer beliebten Wahl für Privatanwender.
Disk Drill
Disk Drill bietet in der kostenlosen Version 500 MB Wiederherstellungsvolumen und zeichnet sich durch eine moderne Oberfläche sowie zusätzliche Datenschutzfunktionen aus. Verfügbar für Windows und Mac.
Vergleich: Windows File Recovery vs. Alternativen
| Feature | Windows File Recovery | Recuva (Free) | EaseUS (Free) | Disk Drill (Free) |
|---|---|---|---|---|
| Preis | Kostenlos (unbegrenzt) | Kostenlos | Bis 2 GB frei | Bis 500 MB frei |
| Bedienung | Kommandozeile (CMD) | Grafische Oberfläche | Grafische Oberfläche | Grafische Oberfläche |
| Dateivorschau | Nein | Ja | Ja | Ja |
| NTFS-Support | Ja | Ja | Ja | Ja |
| FAT/exFAT-Support | Ja (Extensive-Modus) | Eingeschränkt | Ja | Ja |
| SSD mit TRIM | Eingeschränkt | Eingeschränkt | Besser | Besser |
| Portable Version | Nein | Ja | Nein | Nein |
| Quelle | Microsoft (offiziell) | Piriform/CCleaner | EaseUS | Cleverfiles |
Fazit zum Vergleich: Windows File Recovery ist die beste Wahl, wenn Sie eine kostenlose Lösung ohne Mengenbegrenzung suchen und sich mit der Kommandozeile wohlfühlen. Für Einsteiger oder bei Bedarf an einer Vorschaufunktion sind Recuva oder WinfrGUI die besseren Optionen.
Datenverlust vorbeugen: Backup-Strategien für Windows 10/11
Die beste Datenrettung ist die, die Sie gar nicht erst brauchen. Mit den richtigen Sicherungsstrategien schützen Sie sich dauerhaft vor Datenverlust.
Die 3-2-1-Backup-Regel
Halten Sie sich an diese bewährte Strategie: Erstellen Sie 3 Kopien Ihrer wichtigen Daten, speichern Sie diese auf 2 verschiedenen Medientypen (z.B. externe Festplatte und Cloud) und bewahren Sie 1 Kopie an einem externen Standort auf (Cloud-Speicher oder ein Backup bei Verwandten).
Windows-Dateiversionsverlauf aktivieren
Der Dateiversionsverlauf ist die einfachste Backup-Lösung unter Windows. Schließen Sie eine externe Festplatte an und navigieren Sie zu Einstellungen → System → Speicher → Erweiterte Speichereinstellungen → Sicherungsoptionen. Aktivieren Sie den Dateiversionsverlauf und wählen Sie die externe Festplatte als Ziel. Windows sichert Ihre persönlichen Ordner dann automatisch in regelmäßigen Abständen.
Cloud-Synchronisation einrichten
Nutzen Sie Microsoft OneDrive (direkt in Windows 11 integriert), Google Drive oder Dropbox für eine automatische Synchronisation Ihrer wichtigsten Ordner. Aktivieren Sie zusätzlich die Versionsverwaltung, mit der Sie ältere Dateiversionen wiederherstellen können, falls eine Datei versehentlich geändert oder gelöscht wird.
Systemwiederherstellungspunkte anlegen
Erstellen Sie regelmäßig Systemwiederherstellungspunkte und vollständige Systemabbilder auf externen Medien. Eine ausführliche Anleitung dazu finden Sie in unserem Beitrag zum Erstellen eines Windows-Wiederherstellungslaufwerks.
Wie kann ich mit Windows File Recovery gelöschte Dateien wiederherstellen?
Installieren Sie Windows File Recovery aus dem Microsoft Store, öffnen Sie die Eingabeaufforderung als Administrator und führen Sie den Befehl winfr Quell-Laufwerk: Ziel-Laufwerk: /Modus /n Filter aus. Beispiel: winfr C: D: /regular /n *.docx für Word-Dokumente.
Ist Windows File Recovery kostenlos?
Ja, Windows File Recovery ist ein komplett kostenloses Tool von Microsoft, das ohne zusätzliche Gebühren im Microsoft Store verfügbar ist. Es gibt keine versteckten Kosten oder Premium-Versionen.
Welche Dateitypen kann Windows File Recovery wiederherstellen?
Das Tool unterstützt eine Vielzahl von Dateiformaten, darunter Fotos (JPG, PNG), Office-Dokumente (DOCX, XLSX, PPTX), Videos (MP4, AVI), Musikdateien (MP3, WAV), PDFs und ZIP-Archive. Praktisch alle gängigen Dateitypen werden erkannt.
Wann sollte ich den extensive-Modus verwenden?
Nutzen Sie den extensive-Modus bei formatierten Laufwerken, beschädigten Dateisystemen, älteren Löschvorgängen oder wenn der regular-Modus keine Ergebnisse liefert. Bei FAT und exFAT Laufwerken ist der extensive-Modus immer die bessere Wahl.
Kann ich gelöschte Dateien vom gleichen Laufwerk wiederherstellen?
Nein, Quell- und Ziellaufwerk müssen zwingend unterschiedlich sein. Das Speichern auf demselben Laufwerk würde die gelöschten Daten überschreiben und die Wiederherstellung unmöglich machen. Verwenden Sie immer ein separates Laufwerk oder eine externe Festplatte.
Wie lange dauert die Wiederherstellung mit Windows File Recovery?
Die Dauer hängt von der Laufwerksgröße und dem gewählten Modus ab. Der regular-Modus ist schnell (wenige Minuten bis Stunden), während der extensive-Modus bei großen Festplatten (1-2 TB) mehrere Stunden bis einen ganzen Tag benötigen kann.
Funktioniert Windows File Recovery auch nach Formatierung?
Ja, mit dem extensive-Modus können Sie auch nach vollständiger Formatierung noch Daten wiederherstellen. Die Erfolgsquote hängt davon ab, ob bereits neue Daten auf das Laufwerk geschrieben wurden. Schnellformatierung bietet bessere Chancen als Vollformatierung.
Was bedeutet „gelöschte Dateien wurden überschrieben“?
Überschreiben bedeutet, dass der Speicherplatz der gelöschten Datei mit neuen Daten belegt wurde. In diesem Fall ist eine Wiederherstellung nicht mehr möglich, da die ursprünglichen Informationen physisch nicht mehr existieren.
Kann ich auch E-Mails mit Windows File Recovery wiederherstellen?
Ja, wenn die E-Mails lokal gespeichert sind (z.B. Outlook PST-Dateien). Verwenden Sie den Befehl: winfr C: D: /extensive /n *.pst /n *.ost um Outlook-Datendateien wiederherzustellen.
Fazit
Windows File Recovery ist ein leistungsstarkes, kostenloses Werkzeug zur Wiederherstellung gelöschter Dateien unter Windows 10 und Windows 11. Der größte Vorteil gegenüber kommerziellen Alternativen: Es gibt keine Mengenbeschränkung bei der Wiederherstellung.
Entscheidend für den Erfolg sind vier Faktoren: Schnelles Handeln nach dem Datenverlust, die Wahl des passenden Wiederherstellungsmodus (Regular für frische Löschungen, Extensive für schwierigere Fälle), die Verwendung eines separaten Ziellaufwerks und präzise Filter für die Dateisuche.
Wer sich mit der Kommandozeile nicht wohlfühlt, findet mit WinfrGUI eine kostenlose grafische Oberfläche oder greift auf Recuva als benutzerfreundliche Alternative zurück.
Mein wichtigster Tipp: Richten Sie jetzt ein automatisches Backup ein – bevor Sie es brauchen. Der Windows-Dateiversionsverlauf in Kombination mit einem Cloud-Speicher wie OneDrive schützt Sie zuverlässig vor zukünftigem Datenverlust.
Autor: Vangelis – 25+ Jahre IT-Erfahrung Website: winpower.de – Windows Tipps und Tricks Aktualisiert: April 2026Thema: Windows File Recovery, geloeschte Dateien wiederherstellen Windows 11, winfr Befehl, Datenrettung nach Formatierung, Papierkorb geleert Dateien retten

